1525, Deutscher Bauernkrieg, Schlacht bei Frankenhausen

Bewaffnete Bauern

Hans Lorbeer, „Die Obrigkeit“, Halle/Saale 1956

1525

Vor der Stadt Frankenhausen fand eine der bedeutendsten Schlachten des deutschen Bauernkrieges statt. Den vom Adel geführten Truppen gelang es die Vereinigung der aufständischen deutschen Bauernheere zu verhindern und diese einzeln zu schlagen.

Das Bauernheer vor Frankenhausen wurde von Thomas Müntzer geführt, der sich mit seinen fortschrittlichen Predigen und Visionen zum wichtigsten Anführer der Bauern entwickelte. Engels und Marx bezeichneten den Deutschen Bauernkrieg als erste frühbürgerliche Revolution in Deutschland, da sich auch das junge aufstrebende Bürgertum teilweise an den Kämpfen beteiligte.

Die Obrigkeit, der Adel und die Kirche, konnten jedoch den Sieg davontragen und behielt ihre Machtposition bis in den Anfang des 20. Jahrhunderts hinein.

Martin Luther, ehemals von fortschrittlichen Gedankengut beseelt, hatte sich längst auf die Seite seiner Brötchengeber geschlagen und das gnadenlose Abschlachten und Morden der aufständischen Bauern gefordert.

„…… Bald umgab Müntzer eine tiefe, wie tödliche Stille. Er hatte das Gesicht in die Hände gedrückt und lauschte. Das Wimmern der Verbluteten wurde leiser, seltener, erstarb dann ganz. Nur aus der Ferne hallte, vom Winde herangetragen, noch irres Geschrei herauf. Auch Schüsse von Karrenbüchsen rollten durchs Tal. Einer Kirchenglocke Läuten hallte klagend näher, fiel aber bald wieder zurück, verstummte schließlich. Die Schlacht war in die Stadt eingebrochen. Müntzer sank vor Schmerz darüber gleichsam in sich zusammen. Aber die in ihm immer stärker werdende Unruhe trieb ihn aus seinem Versteck hervor. Schon stand er aufrecht zwischen den Stämmen des Waldsaumes.

Welche unheimliche Macht zwang ihn, sich in noch größere Gefahr zu begeben? Konnte er allein aus dieser furchtbaren Niederlage noch etwas retten? Trug er denn die Schuld an dem Gemetzel durch die Kriegsknechte der Fürsten? Hatte er nicht alles getan, den Bauern Verbündete zuzuführen, sie ins Mansfelder Bergwerksgebiet abzuziehen und dort den fürstlichen Heeren besser gerüstet entgegenzustellen? Ja, als eine bewaffnete, kriegerische Macht entgegenzustellen! Denn das Unrecht war zu einer Last geworden, unter der die armen Leute zusammenbrechen mußten. Diese Last abzuwerfen – dazu hatten sie alles Recht der Welt, auch das evangelische, ein Recht, von Gott geschaffen, stärker als der Fürsten Gewalt. Gott mußte Recht geschehen lassen, um dieses Muß konnte auch er sich nicht länger herumdrücken, denn die Not des gemeinen Mannes schrie zum Himmel.

Müntzer, jetzt von der Reinheit seiner Mission wieder ganz überzeugt, schritt ohne Furcht durch den Wald der Stadt zu. Durch das Frauentor würde er sie betreten, zu sehen, wie die Sache stand. Und Gott mußte ihn beschützen. Wohl, das Gemetzel unter den Bauern hatte er noch zugelassen; nun aber war es genug und wahrlich Zeit, daß er in sich ging, er durfte den Preis nicht zu hoch setzen, den Bogen der Prüfung nicht überspannen, wenn er nicht wollte, daß man in ihm den rechten Gott nicht mehr sah.

Ein plötzlich aufkommender Trotz erfüllte Müntzers Gedanken, setzte sich in seiner Brust fest und ließ ihn noch entschlossener talwärts schreiten.

Einige hundert Schritte war er vorwärtsgekommen. Er mußte über Tote hinwegsteigen, Leichenhügel umgehen. Vor dem massigen Kadaver eines Pferdes, aus dessen Bauch die Eingeweide quollen, wich er zurück. Entsetzen jedoch erfaßte ihn, als er die halb entblößte, auf einen Buchenstamm gebundene Leiche einer üppigen Marketenderin erblickte. Wankend wandte er sich ab, um davonzulaufen. Gleich aber stockte er wieder: Ganz nah hallte die langgezogene, pathetische Stimme eines Mannes durch das Gewirr der Stämme und Büsche: »Im Namen Jesu Christi, es geschehe Gerechtigkeit!« Nun entdeckte er auch den Sprecher, einen evangelischen Pfarrer. Unwillkürlich trat er einige Schritte näher. Jetzt gewahrte er neben dem Pfarrer einen Mönch, der heftig das Kreuz schlug. Die Gefahr ganz vergessend, wagte Müntzer sich weiter vor. Dann aber blieb er wie angewurzelt stehen. Das Blut schien ihm zu erstarren: Durch das Grün und Braun des verwilderten Waldes sah er, von Landsknechten niedergezwungen, in langer, doppelter Reihe auf steinigem Wege die Bauern knien. Es war kirchenstill, einmal· nur tönte einsam die Klage eines Jungen. Ein Hauptmann gab das Zeichen – und Dutzende von Henkern schlugen den Knienden die Häupter vom Leibe, so daß nach jedem Schlag das Blut in leuchtendrotem Strahl hervorschoß und den fallenden Kopf überströmte – Schlag um Schlag, Kopf um Kopf. Und das Blut floß über das Gestein wie in einer eigens dafür geschaffenen Rinne, wuchs zum Bächlein und huschte der schon sichtbaren Stadt zu. Einige Köpfe, von derben Stiefeln gestoßen, rollten mit. Die dabeistehenden Landsknechte hatten die Hellebarden aufgestemmt und erhoben bei jedem Todesstreich ein Geschrei, als wären sie beim Vogelschießen oder Kugelspiel …Müntzer, diesen Mörderhorden ganz nahe und vom Gezweig einer Birke nur dürftig gedeckt, starrte in die Rücken der dem Köpfeabschlagen zuschauenden, ganz diesem Schauspiel hingegebenen Söldner.

Es war keine Furcht mehr in ihm, nur die Sorge, er könne daran gehindert werden, hinauszugehen in die Welt, um von der Abkehr Gottes zu berichten. Ja, ganz gewiß, der alte Gott war abtrünnig geworden und zu den Fürsten übergelaufen. Und jedes Gebet zu ihm verwehte wie in den Wind gesprochen……“

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