1956, Angriff von Großbritannien, Frankreich und Israel auf Ägypten

Assuan Staudamm, Leistung 2100 MW, Baujahr 1960 bis 1971

Aldrigde, James: „Zuflucht am Nil“, Berlin 1964

1956

Im Jahr 1952 kam es in Ägypten zu einem Militärputsch gegen den mit Großbritannien kooperierenden König Faruk. Die Reste des alten, von der Geschichte überholten Feudalregimes wurden beseitigt. Mit Gamal Abdel Nasser kam ein Vertreter der jungen einheimischen Bourgeoisie an die Macht. Er erkannte, dass die Erzeugung von preiswerter Energie die Voraussetzung für den Aufbau einer eigenen Wirtschaft ist.

Sehr schnell entschloß sich die neue Regierung zum Bau des Assuan-Stadamms.

Für dessen Finanzierung stellte die USA und Großbritannien die erforderlichen Kredite in Aussicht, die jedoch an politische Forderungen geknüpft waren. Anfang Juli 1956 zog die USA und Großbritannien ihre Zusage zurück. Die gerade errungene Souveränität Ägyptens sollte wieder unterdrückt werden. Die Welt wartete auf eine Reaktion.

Der britische Reporter Jack hört mit einer syrischen Übersetzerin die Rede von Präsident Nasser:

„….Aber der 26. Juli, vier Tage darauf, war der vierte Jahrestag der Revolution – das vierte Jahr nach Faruks Vertreibung, und Präsident Nasser wollte auf dem Mohammed Ali-Platz in Alexandria zur Feier des Tages eine Rede halten.

„Das ist seine letzte Gelegenheit“, sagte Jack…….

Zweihunderttausend Ägypter warteten auf dem Platz. Die Sandsteinmauern der englischen Kirche, der Bourse und des Palais de Justice hatten sich rasch in der feuchtsamtenen Luft abgekühlt, die sie aus der alten Bucht des Grand Port des Anciens aufsogen. Die Namen waren alle französisch, aber jedermann wußte, daß die Stadt in Wirklichkeit griechisch war, nicht nur altgriechisch, sondern auch neugriechisch, und daß Alexander der Große selbst noch immer irgendwo darunter begraben lag. Die alten britischen Hafenbecken lagen voller schmutziger Leichter, Bagger und Kohlenkähne, und das war so ziemlich alles, was von den Briten übriggeblieben war.

„Worum geht es?“ bat Jack. ,,Um Gottes willen, übersetzen Sie!“

„Das läßt sich nicht übersetzen“, antwortete die Syrierin. „Es liegt an seiner Ausdrucksweise.“

„O Gott!“ stöhnte Jack. „Sagen Sie das Wesentliche.“

„Er greift die Amerikaner an“, erwiderte die Syrierin durch ‚die Jubelrufe.

„Und wie? Was sagt er?“

„Israel und die Briten greift er auch an.“

Jack wartete verzweifelt auf Ausschnitte, bis der Präsident auf Eugene Black, den Vertreter der Weltbank, zu sprechen kam, der ihn aufgesucht hatte. Damit hatte das Ganze begonnen, sagte der Präsident.

„Jedesmal wenn Black mit mir über Geld sprach“, rief der Präsident jetzt grimmig, „dann mußte ich an das Jahr 1854 denken, als Ferdinand de Lesseps dem Chedive (Gouverneur der osmanischen Provinz Ägypten) sagte, er wolle den Suezkanal graben. „Er wird Ihnen unsagbare Reichtümer einbringen“, redete Lesseps dem Chedive ein,und der glaubte ihm. Da gab ihm Ägypten zwölf Millionen Pfund und für den Bau des Kanals und gab ihm die Arbeitskräfte für die Ausschachtungen. Einhundertzwanzigtausend Ägypter fanden den Tod beim Graben des Suezkanals. Daran mußte ich denken, als mir Mr. Black von Geld sprach.

Ich mußte auch daran denken, daß uns die Briten unsere vierundvierzig Prozent der Aktien stahlen, indem sie einen dummen alten Mann wie den Chedive mit einem Bauernfängertrick hereinlegten. Alles hat man uns abgegaunert. Alles! Und anstatt daß Ägypten den Kanal besitzt, besitzt die Kanalgesellschaft Ägypten. Ist das nicht wahr, Brüder? Ihr alle wißt es. Sie war ein Staat im Staate. Sie wurde reich und profitierte, wurde immer reicher, während die Ägypter immer ärmer wurden und verhungerten … “

Der Syrierin waren die übersetzbaren Wörter ausgegangen. ,“Weiter“, drängte Jack scharf. „Um Gottes willen, hören Sie jetzt nicht auf.“

„Aber er spricht so schnell …. “

Sie hatte den Faden verloren. Aber das ganze Gewebe wurde plötzlich von einem Vulkanausbruch zerrissen. Die gesamte Bevölkerung vor ihnen begann zu toben, warf Mützen, Zeitungen, Schuhe und Stöcke in die Luft. Um sie her sprangen alle Ägypter auf ihre Stühle und schrien aus Leibeskräften, während Präsident Nasser in dem Aufruhr lachte und Jack fluchte …..

„Was hat er gesagt“

„Er sagte“, rief ihnen die Syrierin zu, ,,daß er soeben den Suezkanal verstaatlicht hat.“

Jack hielt sich den Kopf…….während der Tumult weiterging. Über den Platz hinweg hoben und senkten sich zweihunderttausend Stimmen bei jedem Wort wie eine atlantische Flutwelle, die sich tausend Meilen über den Ozean wälzt und dann plötzlich gegen eine überraschte, aber afrikanische Küste donnert. „Wir werden uns auf unsere eigene Kraft, unsere eigenen Muskeln, unsere eigenen Mittel verlassen“ rief der Präsident und schwang die Hände in der Luft über den Wogen. „von nun an leiten ihn die Ägypter! Ägypter! Ägypter!….“

Ende Oktober begannen die Briten und die Franzosen mit Bombenangriffe auf Ägypten. Mit Unterstützung der französischen Luftwaffe besetzte Israel die Sinai-Halbinsel. Die englische Flotte beschoss die Wohngebiete von Port-Said.

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