1924, Lenin gestorben

Wladimir Iljitsch Lenin

Kuznezow, Nikolai Gerassimowitsch: „Am Vorabend“, Moskau 1969

1924

1904 geboren, trat Kusnezow im Herbst 1919 als Freiwilliger in die Nördliche-Dwina-Flotte ein. An den Kämpfen nahm er nicht mehr teil, da Archangelsk bereits von den Interventen befreit war. 1922 besuchte er die Seeoffiziersschule in Petrograd. Dort erreichte den späteren Volkskommissar der Flotte, 1924 die Nachricht von Lenins Tod:

„Und plötzlich diese Nachricht! Erschütternd und furchtbar! Lenin ist tot!

Niemand hat es offiziell bekanntgegeben, doch alle wußten es. Alles, was uns noch vor einer Minute beansprucht hatte, war mir einemmal in unendliche Ferne gerückt und hatte seinen Sinn verloren. Wir dachten nicht mehr an Landgang, vergessen war der Unterricht. Auf den Tischen lagen aufgeschlagene Bücher, Aufzeichnungen mit ungelösten Aufgaben und nicht zu Ende geschriebenen Sätzen….

Am folgenden Tag erfuhren wir, daß eine Anordnung der Baltischen Flotte gemeinsam mit der Petrograder Delegation zu Beisetzung Wladimir Iljitschs nach Moskau fahren würde. Dieser Abordnung gehörte ich als Vertreter unserer Schule an…..

An einem Sonnabend, dem letzten Tag vor der Beisetzung, stellte unsere Abordnung die Ehrenwache. Durch einen Nebeneingang wurden wir in den Säulensaal geführt. Bemüht, nicht über die Treppenstufen zu schlurfen, stiegen wir hinauf zur Empore. Wie erstarrt schauten wir hinunter. Die Moskauer und die Abordnungen aus dem ganzen Sowjetland drängten zu dem hohen Postament, auf dem Lenin, der Führer des Weltproletariats, der Sohn des russischen Volkes, aufgebahrt war. Die Musik floß feierlich und traurig dahin und verschmolz mit dem Schluchzen der Menschen….

Dann hielt ich rechts zu Lenins Füßen Ehrenwache. Der Menschenstrom riß nicht ab, doch ich sah niemanden. Ich sah nur Lenins Gesicht. Es prägte sich mir für das ganze Leben ein….

Ich kann nicht die Gedanken und Gefühle wiedergeben, die uns in jener langen Nacht und am folgenden Tag beherrschten, als wir am Rande eines lebendigen Spaliers standen und der von Arbeiterfäusten emporgehobene Sarg mit dem Leichnam Lenins an uns vorbeigetragen wurde. Der letzte Weg – zum Roten Platz, zum Mausoleum….

Bald nach der Beisetzung Lenins kehrten wir in unsere Schule zurück, nun schon nicht mehr nach Petrograd, sondern nach Leningrad. Die Stadt hatte in diesen Tagen einen neuen Namen erhalten, den Namen Lenins. Es war der Wille der Pertograder Arbeiter gewesen. In dem Beschluß des II. Sowjetkongresses hieß es: “ Dieses größte Zentrum der proletarischen Revolution soll von heute an für immer mit dem Namen des großen Führers des Proletariats, Wladimir Iljitsch Lenin, verbunden sein!“…… „

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