1945, Die Befreiung von Prag

Marschall der Sowjetunion, 1945 Befehlshaber der 1. Urkainischen Front

Konew, Iwan Stepanowitsch: „Das Jahr fünfundvierzig“, Moskau 1966

1945

Ivan Konew stellt in diesem Buch die Befreiung von Prag dar. In Berlin hatte die Wehrmacht unter General Weidling am 2.Mai die Waffen niedergelegt. Am 4. Mai erhielt Konew den Befehl die Befreiung von Prag vorzubereiten. Am 5. Mai begannen die Einwohner von Prag einen Aufstand gegen das faschistische Regime. Konew mußte sofort reagieren und begann am 5. Mai um 15.00 Uhr mit 4 Panzerarmeen den Vorstoß auf Prag. Die Armeen standen zu diesem Zeitpunkt im Raum Dresden.

„In der Tschechoslowakai aber war unter Schörner die Heeresgruppe Mitte konzentriert. Sie bestand aus etwa 50 vollen Divisionen…….Der Gegner leistete überall erbitterten Widerstand, besonders an Gordows linken Flügel und vor der gesamten Front Shadows…..So kamen wir in der Nacht nur 10 bis 12 Kilometer voran. Dafür drangen unsere Truppen im Streifen der 13. Armee Puchows und an Gordows rechtem Flügel 23 Kilometer vor und erreichten damit ihr Tagesziel……

Unter normalen Bedingungen hätten wir uns mit dem Erreichten zufrieden geben können. Doch im Hinblick auf die Lage in Prag, in der es auf jede Stunde ankam, verlangte ich von den vier Armeeoberbefehlshabern Gordow, Puchow, Rybalko und Leljuschenko das Angriffstempo zu erhöhen. In den nächsten Tagen sollten die Infanterie 30 bis 45 und die Panzertruppen 50 bis 60 Kilometer zurücklegen; ohne Rücksicht auf Müdigkeit und Hindernisse war Tag und Nacht anzugreifen.“

Am 9. Mai wurde Prag von den sowjetischen Truppen befreit. Die Bevölkerung empfing sie mit großer Begeisterung. Konew schreibt hierüber:

„Doch wenden wir uns wieder  den Ereignissen des 9. Mai zu. Die Nachricht von dem Eintreffen  der Panzertruppen Leljuschenkos und Rybalkos in Prag erhielt ich sofort und fast gleichzeitig nach ihrem Einmarsch  vom Leiter der Operativen Abteilung Rybalko  und von Malandin aus der 13. Armee. Aber wie zum Trotz riß plötzlich die Drahtverbindung zu den Stäben der Armeen ab, die Prag befreit hatten. Unsere Nachrichtenleute bemühten sich stundenlang vergeblich, die bis dahin einwandfreie funktionierenden Verbindungen zu den Armeen Leljuschenkos, Rybalkos und Gordows wiederherzustellen. Die Verbindung zur 13. Armee funktionierte zwar, dafür aber konnte Malandin seine Voraustruppteile nicht erreichen. Das alles war beunruhigend, wenn ich auch eine günstige Entwicklung nicht bezweifelte…….

Zwar lagen mir bereits erste Angaben über die Befreiung Prags vor, aber sie genügten nicht für eine Meldung an das Hauptquartier. Im Klartext durch Funk bei den Stäben nachzufragen, hielt ich nicht für zweckmäßig. Außerdem war ich mir bei der  Entfernung und dem dazwischenliegenden Gebirge des Erfolges nicht  sicher.

Daraufhin schickte ich ein Flugzeug der Kurierstaffel der Front zum Stab der 13. Armee. Meiner Berechnung nach mußte es innerhalb von drei Stunden zurück sein, doch es lie0 auf sich warten. Auf meine telefonische Anfrage sagte mir Malandin, er habe mehrere Offiziere nach Prag geschickt, aber von ihnen noch keine Meldung erhalten. Ich befahl ihm, den Versuch zu wiederholen und Verbindungsoffiziere mit dem Flugzeug nach Prag zu schicken.

Die Zeit verging, doch nicht eine Maschine kehrte zurück. Darauf schickte ich dienen weiteren Offizier der Operativen Verwaltung des Stabes mit einem Kurierflugzeug los. Gleichzeitig befahl ich Kraskowski, eine Gruppe Kampfflugzeuge starten und durch die Piloten die Lage in Prag aus geringer Höhe erkunden zu lassen. Nach ihrer Rückkehr meldeten sie, dass sie in Prag keine Kampfhandlungen mehr beobachtet hätten, die Straßen jedoch voller Menschen seien.

Dass Prag befreit war, wusste ich. Woran lag es aber, dass von keinem meiner Armeeoberbefehlshaber eine vernünftige Meldung darüber zu bekommen war?

Später stellte sich dann die Begeisterung der Prager als die Ursache heraus. Sobald sich ein sowjetischer Offizier auf der Straße sehen ließ, bemächtigten sich die Menschen seiner, umarmten, küssten ihn und warfen ihn auf ihren Armen in die Luft. So verschwanden meine Verbindungsoffiziere einer nach dem anderen in einer Flut von Umarmungen, Geschenken und Blumen. Leljutscheko, Rybalko und Gordow erging es danach ebenso. Keinem gelang es, aus Prag herauszukommen, seinen Gefechtsstand zu erreichen und über die Nachrichtenzentrale die Lage ausführlich zu melden.

Von Zeit zu Zeit gingen zwar Funksprüche ein, doch ihr ganzer Inhalt bestand immer nur aus den Worten „Prag genommen!“, „Prag genommen“. Ich hatte aber dem Hauptquartier neben der Tatsache, dass die die Stadt befreit war, zu melden, unter welchen Umständen wir sie genommen hatten, auf welchen Widerstand wir dabei gestoßen waren, ob es noch einen organisierten Gegner gab und in welcher Richtung er sich zurückzog. Kurz, der Tag der Befreiung der tschechoslowakischen Hauptstadt verlief für mich sehr unruhig. Verschwunden waren meine Verbindungsoffiziere, Brigade- und Korpskommandeure! Daraus ersieht man, Wozu die Volksbegeisterung führen kann.“

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