Ich denke, man kann drei Hauptbereiche definieren, die Ökonomie, die
Gestaltung und die Technologie. Natürlich bestehen zwischen diesen
Kategorien enge Wechselbeziehungen.

Einfamilienhäuser in Dessau, Walter Gropius 1926-1928, Fotos 2024
Versetzen wir uns in die 20-er Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts zurück. Wie sah der Bestand an Wohnhäusern aus?
Über die Villen der Fabrikanten, Bankiers, Spekulanten und andere Kriegsgewinnler brauchen wir an dieser Stelle nicht reden. Es bleiben dann im städtischen Bereich zwei Kategorien an Wohnhäusern.
Erstens, die Wohnhäuser für höhere Beamte, Richter, Notare, Anwälte und für höhere Militärs. Diese Wohnungen strahlten innen Luxus aus und trugen den Wohlstand auch nach Außen. Die Fassaden waren mit Stuck oder Ornamenten reich verziert. Es gab Eingänge für die Herrschaften und Hintereingänge für das Dienstpersonal. Die Wohnungen hatten mehrere Wohn- und Kinderzimmer, Arbeitszimmer, Salons für Herren und Damen, Küche und Bad.
Zweitens, die Mietskasernen für die Arbeiter und die untere Kategorie der Angestellten. Kennzeichen sind kleine, dunkle Zimmer durch enge Bebauung, Wohnungen die nur aus Küche und Zimmer bestehen, vielfach noch Toiletten im Treppenhaus für mehrere Familien. Auf dem unteren Niveau standen jahrelang vernachlässigte Häuser mit undichten Dächern und Schimmel an den Wänden.

Laubenganghaus von Hannes Meyer, 1930, in Dessau. Hier wird das Treppenhaus in den unbeheizten Bereich verlegt, was zu beträchtlichen Energieeinsparungen führt. Durch den Laubengang können je Treppenhaus ein große Anzahl von Wohnungen erschlossen werden.
In den Jahren des 1. Weltkrieges und der anschließenden revolutionären Kämpfe der deutschen Arbeiterklasse (1914-1919) war der Bau von Wohnraum fast völlig zum Erliegen gekommen.
Es war daher dringend erforderlich Wohnungen in großer Anzahl zu bauen. Diese sollten gesundes Wohnen zu einem akzeptablen Preis ermöglichen. Ein ganz neuer Typ von Wohnhauses war das Gebot der Zeit.

Laubenganghaus in Dessau, Wohnseite mit großen Fensterflächen.
1919 gründete der Architekt Walter Gropius zusammen mit Henry van der Velde, der eine Kunstschule betrieb, in Weimar das Bauhaus. Die Zielstellung war Kunst, Handwerk und Industrie zusammenzuführen, um die Herausforderung des kostengünstigen Bauens zu meistern.
Es ist unbestreitbar, das Standardisierung und Serienfertigung zu enormen Kostensenkungen führen. Gleichzeitig besteht natürlich die Gefahr, unansehnliche Baukörper zu errichten.

Jedes Detail ist wichtig, von der Hausnummer bis zum Türgriff. (Bild 4 bis 7 aus der ständigen Ausstellung im Kellergeschoß des Bauhauses)
Um dem entgegenzuwirken, wurde im Ausbildungsprogramm des Bauhauses großen Wert auf Werkstoffkunde, Farbgestaltung, Kunsthandwerk, aber auch Landschaftsgestaltung gelegt. Es sollte ein komplexes Bauwerk geschaffen werden, bei dem alle Bauschaffenden von der Planungsphase bis zur Schlüsselübergabe an einem Strang ziehen.

Glasbausteine ermöglichen eine Raumbeleuchtung bei Wahrung der Intimsphäre.
Ein typisches „Bauhaus-Haus“ würde ich wie folgt beschreiben: Äußerlich zeichnet sich dieses durch große Fensterflächen aus, die eine gute Ausleuchtung der Räume sicherstellen. Die Ästhetik des Gebäudes wird außerdem durch eine Staffelung der Geschosse erreicht. Durch diesen Entwurfsansatz können große Terrassen realisiert werden, die zu einer Steigerung der Wohnqualität führen. Um keinen Wohnraum zu verschenken, wird auf schräge Dachflächen verzichtet. Das Gebäude erhält ein Flachdach.

Standardisierter Deckenträger aus Stahlbeton. Diese vorgefertigten Deckenträger wurden dicht an dicht verlegt. Sie konnten ohne Hebezeug verarbeitet werden.
Der Innenbereich ist natürlich zweckmäßig gestaltet.
Das heißt, optimierte Verkehrsflächen, ausreichend Stauraum, großer Anteil an Nutzflächen, die entsprechend klimatischen Verhältnissen angeordnet sind.

Bauhausmöbel ergänzen das Gebäude perfekt.