
Das von Walter Gropius entworfene Bauhaus in Dessau. Fotos 2024
Eine Kurzreise nach Dessau brachte mich auf den Gedanken, mein Verständnis zur Intention und den Zielen des Bauhauses zu Papier zu bringen.
Das Bauhaus aus den 1920-er Jahren ist wirklich ein hervorragendes Bauwerk. Es ist klar strukturiert, aber keineswegs langweilig gestaltet. Aus meiner Sicht nahe an der Perfektion.

Fassade mit geöffneten Fenstern
Das in ihm enthaltene Museum ist eine Katastrophe. Nur die Dauerausstellung in zwei Kellergeschossräumen erfüllt die Ansprüche, die man bezüglich Bildung und Wissensvermittlung an so ein berühmtes Museum stellen muss.

Der Mechanismus der Fensterbedienung. Die Rotationsbewegung der Kettenzüge wird in eine horizontale Bewegung des Steuerriegels umgewandelt.
Im gesamten Erdgeschoss befindet sich der Verkaufsstand für Eintrittskarten und ein überdimensionierter Shop. Hier werden Produkte rund um das Bauhaus oder auch sonstiger Kitsch zu happigen Preisen an den Touristen gebracht.

Verbinder zwischen Lehrbereich (linke Seite) und Werkstattbereich (rechte Seite)
Eine Etage höher sind zwar ein paar Modelle und Bilder aus der Entstehungszeit des Gebäudes. Auch die liebevolle und fachgerechte Sanierung des Gebäudes in der DDR-Zeit werden kurz dargestellt. Die Führung verliert hier jedoch nicht viel Zeit und eilt in den riesigen Werkstattraum. Dort stößt man auf eine völlig themenfremde Bildausstellung, Typ „Alles ist Bunt“. Wie entwürdigend.
Noch ein Geschoss höher sind auf sich kreuzenden Wäscheleinen ein Paar Zeitungsausschnitte und Fotos, ich glaube aus den 1970-er Jahren Frankreichs aufgehängt. Damit war ich in einer halben Minute fertig. Andere Besucher habe ich auch nicht gesehen. Diese haben den Shop bevölkert.

Ausstellung im 2. Obergeschoß. Das interessanteste sind die Voutenträger und die Decke aus Ziegelfüllkörpern.
Ich bin dann noch ein bisschen im Gebäude umhergestromert, was sehr interessant war. Das Beleuchtungs, Belüftungs- und Wegekonzept war das Thema meines Spaziergangs.
Nach einer kurzen Pause bin ich dann noch zu den Meisterhäusern gegangen. Diese hatte ich mir schon einmal 2010 angesehen. Im Jahr 2024 wurden hier neue Höchstleistungen im Bereich der Geschmacklosigkeit erreicht.
Empfangen wird man durch eine schier endlose glatte zwei Meter hohe Betonmauer, hinter der sich ein Garten befinden soll. Sieht aus wie ein Hochsicherheitsbereich. In einer Nische werden Getränke verkauft.

In Bildmitte das Fake-Gebäude aus OSB-Platten mit aufgemalten Fenstern. Links die endlose Gartenmauer. Ich habe schon bessere Betonmauern gesehen.
Offensichtlich standen dort vor dem Krieg einmal vier Meisterhäuser. Die beiden letzten sind für Touristen geöffnet. Ich war jedoch nicht drin. Diese ganze Anlage war mir den Eintritt von 9 € nicht wert, der an jeder Stelle, die man mit Bauhaus in Verbindung bringen kann, eingestrichen werden.
Die Krönung war jedoch das erste Meisterhaus. Da es keine Informationen gibt, wie das Haus genau ausgesehen hat, ist dort ein Kubus aus Spanplatten zusammengenagelt worden. Auf diesen sind ein paar Fenster aufgemalt. Einen passenden Slogan haben sich ortsansässigen PR-Mitarbeiter auch noch einfallen lassen, „Sichtbarkeit durch Unsichtbarkeit“ oder etwas in dieser Richtung. Der Bologna-Prozess wirkt.

Ein echtes Meisterhaus

Das Bauhausmuseum, eine Kreation aus Glas und Anthrazit. Zusammen mit der ebenfalls neuen Rathauspassage (Shopping) ist die Innenstadt im Bereich des Stadtparks und des alten Rathauses komplett verdichtet.